
Zwischen den Zeilen


Aus Sławeks Notizbuch - Bärbel wird frech
Ein Dorfvorsteher, drei Stück Zucker und der schleichende Verfall der männlichen Ordnung
Siebzehn Minuten zu früh
Ich hatte ein Interview mit dem Dorfvorsteher arrangiert. Ich dachte, er käme allein. Nein. Seine Frau Bärbel begleitete ihn. Die Blondine war mir bereits auf Biankas Party aufgefallen. Ein ziemlich lautes Ding. Zumindest war das mein erster Eindruck gewesen.
Bärbel und Stach kamen siebzehn Minuten zu früh. Im Dorf bedeutete das vermutlich Pünktlichkeit. Ich vertrete eher die französische Auffassung, dass die schlimmsten Gäste diejenigen sind, die zu früh kommen. Für mich bedeutete es, dass ich noch ohne Schuhe durch mein Zimmer lief, als sie oben klingelten. Dabei hatte ich ausdrücklich gesagt, dass wir uns unten in der Cafeteria treffen. Nun gut. Sie waren da.
Bärbel trug einen Käsekuchen. Wie sich später herausstellte, einen fantastischen. Stach trug seinen Schnurrbart. Nach oben gezwirbelt und glänzend von einer Menge Pomade, die vermutlich für drei weitere Männer gereicht hätte.
Er ging zuerst durch die Tür, obwohl Bärbel vor ihm stand. Sie wich automatisch zur Seite, ließ ihn vorbei und folgte mit dem Kuchen. Das sah nach jahrelanger Übung aus. Keiner von beiden schien es zu bemerken. Ich schon.
Wir gingen gemeinsam hinunter. Alle begrüßten mich. Ich bin inzwischen der bunte Hund der Kneipe. Eigentlich ist die Cafeteria schon lange keine Cafeteria mehr. Kaffee wurde im Laufe der Jahre durch Bier und Wodka ersetzt. Auf dem Schild und gegenüber dem Finanzamt klingt "Cafeteria" allerdings wesentlich besser. In einer Ecke liegt immer ein sogenanntes Sortiment aus drei Teilchen, deren genaues Alter niemand kennt. Auf dem Tresen steht eine Kaffeemaschine für den Notfall. Niemand nimmt diese Bemühungen der Wirtin ernst.
Stach setzte sich an das Kopfende des Tisches und drehte aufmerksam den Kopf. Seinem kleinen, unter buschigen Augenbrauen versenkten Blick entging offenbar wenig. Ich erkannte dieses intensive Blaugrau von der Party wieder. Angeblich gelangweilt, im Grunde ziemlich wach. Es gab kein Kopfende. Der Tisch war rund. Stach fand trotzdem eines.
Bärbel zog mitten in der Kneipe eine Dose mit selbst gebackenen Keksen aus ihrer Tasche. Mit einer Selbstverständlichkeit, als trüge jede vernünftige Frau für Notfälle Gebäck bei sich. Dann fragte sie die Wirtin allen Ernstes, ob der Kaffee frisch gekocht sei. Sie könne nämlich sehr gut erkennen, ob die Bohnen frisch gemahlen seien oder nicht.
Die Wirtin hob eine Augenbraue. Dann sah sie mich an. Vorwurfsvoll. Sie atmete tief durch die Nase. Es kam keine Antwort. Ich wusste, dass ich mir mindestens ein halbes Jahr lang anhören durfte, was sie davon hielt, dass ich mit einer solchen Idiotin bei ihr auftauchte. Im schlimmsten Fall bekam ich kein Bier mehr und mein Foto würde am Eingang hängen: Diese Person bedienen wir nicht mehr.
Drei Stück Zucker
Stach legte beide Hände auf den Bauch. Auf seinem Gesicht lag der Ausdruck eines Mannes, der zu einem Interview eingeladen worden war und fest davon ausging, dass die Welt endlich seine Sicht der Dinge hören wollte. Also ziemlich wichtig.
Bärbel hantierte bereits mit Tassen und Tellern. Sie fragte ihren Mann, ob er Zucker wolle. "Wie immer." Sie gab ihm zwei Stücke. "Drei." Sie legte das dritte dazu. Ihr Mund bewegte sich kaum sichtbar und schnürte sich anschließend zu einem verdächtigen kleinen Knoten aus rosafarbener Schminke zusammen. Stach bemerkte nichts. Er gehörte offenbar zu den Männern, für die Kaffee von allein auf dem Tisch erscheint.
In diesem Moment fragte ich mich, warum mir so etwas auffiel. Hatte mich Mama gut erzogen? War ich aufmerksamer als manche Männer? Eigentlich war das ein gutes Thema für eine Doku: Warum lassen Männer sich bedienen und warum spielen Frauen dieses Spiel mit? Aus der Sicht eines Mannes. Damit konnte ich beim Chefredakteur Eindruck machen.
Ich fragte nach Bianka und der aktuellen Dorfsituation. Stach räusperte sich sofort. Bianka sei schwierig einzuordnen. Zugezogen, Schriftstellerin, eigenwillig. Dann machte er eine Pause und fügte hinzu, sie meine es wahrscheinlich gut. Im Dorf herrsche inzwischen wieder Ruhe. Alles sei unter Kontrolle. Schließlich habe man im Leben schon ganz andere Katastrophen gemeistert. Bianka bleibe allerdings ein schwieriges Thema. Das werde vermutlich auch so bleiben.
In diesem Moment stellte die Wirtin die Kaffeekanne etwas kräftiger als nötig auf den Tisch. Dann erklärte sie laut, dass man in eine Gaststätte kein eigenes Essen mitbringe. Sinn und Zweck einer Gaststätte bestehe darin, die Sachen dort zu kaufen. Weil die beiden meine Gäste seien, werde sie ausnahmsweise ein Auge zudrücken. Ansonsten mache sie kurzen Prozess.
Ich wurde rot. Bärbel auch. Ich wusste, das würde nicht gut enden, und stellte schnell eine Frage direkt an sie. Was sie über Bianka denke? Es wirkte. Die beiden Frauen maßen sich noch einen Moment lang mit Blicken. Dann gab Bärbel nach. "Sie meint es gut", sagte sie.
Stach sah sie an. Völlig verwirrt, wie mir schien. Bärbel setzte sich ein wenig seitlich von ihm hin. Die Knie geschlossen, die Hände ordentlich auf dem Rock. Ein friedliches Bild. Nur ihr rechter Fuß wippte unter dem Tisch. Ein schwarz glänzender Lackschuh wippte mit.
Dorf ist Dorf
Am Anfang, erzählten sie, sei alles unübersichtlich gewesen. Fremde Frauen gingen bei Bianka ein und aus. Eine Architektin tauchte auf. Später kam ein Mann, der Jo besuchte. Es gab Wein auf der Terrasse, kurze Bademäntel und Küsse an Stellen, an denen christliche Menschen höchstens hinter zugezogenen Gardinen küssen. Kein Wunder, dass das Dorf daraus ein Bordell gemacht hatte.
"Es war aber ein Missverständnis", sagte Bärbel. "Und das alles wegen Klara." Sie beugte sich zu mir. "Wissen Sie", flüsterte sie, "die Klara, das ist so eine Tratschtante. Vorne lacht sie, hinten lästert sie. Aber sie stand auch unter einem bösen Einfluss." Bärbel sah sich um und senkte die Stimme noch weiter. "Das war schwarze Magie. Von der El …"
"Hör auf, Frau, so einen Schwachsinn zu erzählen!", grollte Stac
h von der Seite. "Was soll der Herr Reporter von uns denken, wenn du so etwas Blödes sagst?"
"Aber das ist doch wahr", miaute Bärbel.
"Pff. Weibergeschwätz."
Ich war inzwischen ziemlich interessiert. Ich hatte schon einiges über dieses Dorf und die düstere Geschichte der beiden Schwestern gehört. "Was genau ist wahr?", fragte ich. Bärbel blinzelte zweimal. "Ach, nichts." Sie sah schuldbewusst zu ihrem Mann. Stach verdrehte die Augen und schickte ihr einen Blick, der offenbar schon in anderen Situationen funktioniert hatte. Bärbel wurde still. Leider.
"Gut", sagte ich. "Aber was war mit den Bordellgerüchten? Haben Sie daran geglaubt?" Ich sah der Mann an. Er bestand darauf, dass er so etwas nie behauptet habe. Als Dorfvorsteher habe er die Gerüchte lediglich ernst nehmen müssen. Bärbel erinnerte ihn daran, dass er die Fotos herumgezeigt hatte.
Stach schwieg einen Moment. "Ich habe sie geprüft." Als Dorfvorsteher habe er schließlich eine gewisse Autorität und Verantwortung. "Du verstehst das nicht, Bärbel. Du weißt nicht, wie das ist." Er habe die Sache überprüft. Bärbels Wangen wurden immer röter. Drei Fotos. Gründlich.
Ich fragte, was ihn daran am meisten beunruhigt habe. Der Mann setzte sich gerade hin. Sein opulenter Bauch rutschte ein ganzes Stück näher an die Tischkante. Bärbel verdrehte die Augen, sagte aber nichts. Ich beobachtete ihr Gesicht. Sie war eine schöne Frau. Den letzten Rest ihres damaligen Glanzes konnte man in ihrer feinen Nase und ihrem Mund entdecken. Leider hatten hoher Blutdruck und wahrscheinlich auch das Leben selbst die Leichtigkeit aus ihren Gesichtszügen gewischt.
Stach räusperte sich. Ich wusste, das würde eine lange Rede werden. Bärbel unterdrückte ein Gähnen. Der Mann sprach lange über Verantwortung, Tradition und die Ruhe im Dorf. Bärbel hörte angestrengt zu. Ihr Fuß wippte schneller.
"Und geküsst haben sie sich auch", sagte Stach plötzlich.
"Wer?", fragte ich.
Ich musste mich wieder aus meinem Beobachtungsmodus reißen. Endlich etwas Interessantes auf dem Tapet. Er sah mich an, als hätte ich die entscheidende Entwicklung der europäischen Geschichte verschlafen.
"Na, die Bianka und diese Architektin."
"Vera", sagte Bärbel.
"Wie?"
"Die Architektin heißt Vera."
Stach warf ihr einen kurzen Blick zu. "Jedenfalls haben sie sich geküsst", wiederholte er. "Draußen. Wo jeder es sehen konnte."
"Und jetzt?", fragte ich. "Ist das so schlimm?"
Stach richtete sich auf. "Es geht darum, was die Kinder sehen."
Bärbel schnaubte.
"Die Kinder haben auch schon Männer und Frauen gesehen, die sich küssen. Bis jetzt haben sie es überlebt", sagte ich und sah ihn leicht belustigt an. Er wirkte, als hielte er das Überleben der Kinder für ein eher schwaches Argument.
"Ach, Sie verstehen das nicht, Herr Reporter. Sie sind von der Stadt. Das kann man doch nicht vergleichen", sagte er.
"Warum nicht?", fragte ich nach.
Stach öffnete den Mund. Dann schloss er ihn wieder. "Na, weil eben nicht. Dorf ist Dorf!"
Bärbels Lackschuh wippte nicht mehr. "Ein Kuss ist noch nichts Böses, Stachu", sagte sie.
Er strich über seinen Schnurrbart. "Bei uns werden die Familientraditionen hochgehalten." Seine rechte Hand schoss nach oben, der Zeigefinger zeigte in Richtung Himmel. Halleluja.
Ich schrieb das Wort "Familientraditionen" auf und ließ dahinter etwas Platz. Mir fehlte noch die Erklärung. Bärbel verdrehte wieder die Augen. Stachu bekreuzigte sich ganz kurz. "Na, das ist doch nicht normal."
Wo steht eigentlich der Wäschekorb?
Bärbel sah auf seine Tasse. Ich auch. Sie stand vor ihm. Kaffee, drei Stück Zucker, umgerührt. Stach folgte unseren Blicken und trank.
Ich fragte, warum das nicht normal sein sollte und warum man solche Fragen überhaupt stellte. Denn was war normal? Zwei Frauen lebten vermutlich wie andere Menschen auch. Sie würden essen, arbeiten, sich streiten, einander vermissen und lieben. Der einzige Unterschied bestand möglicherweise darin, dass keine von beiden automatisch glaubte, der Wäschekorb gehöre zum weiblichen Teil der Wohnung.
Das hatte gesessen. Stach erklärte, bei ihnen sei der Wäschekorb auch nie ein Problem gewesen. Wieder lagen die Hände auf seinem Bauch und dieser Gesichtsausdruck war da: Ich habe alles im Griff. Ich bin hier der Gute. Bärbels Fuß hörte endgültig auf zu wippen.
"Für dich nicht", sagte sie. "Du weißt nicht einmal, wo der Wäschekorb ist." Sie machte eine kleine Pause. "Oder die Waschmaschine."
Der Mann und ich starrten sie an. Stach entsetzt. Ich belustigt. So viel Ironie hatte ich diesem Hausfrauchen nicht zugetraut. Touché. Was für eine herrliche Überraschung. Ich richtete die nächsten Fragen an sie.
Ein zusätzliches Zimmer
Wir sprachen über das von Bianka eingerichtete Hilfezentrum, in dem Bärbel ehrenamtlich arbeitete. Sie veränderte sich. Sie saß gerader. Ihre Hände lagen nicht mehr ordentlich auf dem Rock. Sie erzählte von Listen, Telefonaten und Frauen, die anfangs kaum einen vollständigen Satz herausbrachten. Manche kamen nur, um sich zu informieren. Manche blieben. Manche verschwanden wieder und tauchten Wochen später mit einer Tasche auf.
In ihren Augen war plötzlich ein Glanz. Ihr Mund bewegte sich schnell, als hätte sie Angst, unterbrochen zu werden. Stach versuchte es tatsächlich. Bärbel und ich ignorierten ihn geflissentlich. Offenbar gefiel es ihr, dass jemand zuhörte, was sie zu sagen hatte.
Ich hatte bereits die nächste Frage im Kopf. Ich stellte sie nicht. Bärbel war noch nicht fertig.
Stach schob seinen Teller von sich weg, obwohl noch Kekse darauf lagen. Er beobachtete seine Frau mit dem misstrauischen Gesicht eines Mannes, der feststellen musste, dass in seinem eigenen Haus unbemerkt ein zusätzliches Zimmer entstanden war. Bärbel sprach inzwischen frei.
Früher habe sie geglaubt, Frauen müssten einfach gehen, wenn ein Mann sie schlecht behandle. Jetzt wisse sie, dass dieses "einfach" meistens von Menschen komme, die Geld, einen Schlüssel und jemanden hätten, den sie anrufen könnten.
"Aber wissen Sie, die meisten haben niemanden. Wirklich niemanden. Und oft haben sie Kinder, um die sie sich kümmern müssen. Sie sind so allein. Dass die Stadt nicht hilft und die Polizei auch nicht, ist ungeheuerlich."
Stach räusperte sich. Es klang wie eine offizielle Verwarnung. Bärbel ignorierte es.
"Und die Kinder. Die armen Kinder. Manche hatten nichts außer dem, was sie am Leib trugen, weil sie fliehen mussten. Ach, nein …", seufzte sie. "So viel Leid. So viel Leid! Schrecklich." Sie seufzte wieder.
Wir schwiegen. Ich nickte, weil diese Probleme allen bekannt waren und alle wussten, dass die Situation der Frauenhäuser alles andere als rosig war. Unterfinanzierung, Sicherheitsmängel und die Bürokratie, die jedes Geld, jedes Engagement und jede freie Minute fraß. Stach war sichtlich genervt. Bärbel kämpfte mit den Tränen.
Der Verfall der öffentlichen Ordnung
Nach einer Weile entschuldigte sie sich und ging zur Toilette. Kaum war die Tür hinter ihr geschlossen, rückte Stach näher an den Tisch.
"Seit sie sich da engagiert, ist sie frech geworden", sagte er.
Er sprach leise, aber mit der Schwere eines Mannes, der den Verfall der öffentlichen Ordnung meldete. Ich fragte, woran sich diese neue Frechheit zeige.
Stach dachte nach. Sie widerspreche. Sie stelle Fragen. Neulich habe sie wissen wollen, warum seine Socken neben dem Bett lägen.
"Und warum lagen sie dort?"
Er sah mich überrascht an. "Weil ich sie ausgezogen habe."
Für ihn war die Sache damit vollständig erklärt. Früher, sagte er, habe Bärbel die Socken einfach aufgehoben. Jetzt lasse sie sie liegen. Zwei Tage lang. Ein erwachsener Mensch könne unter solchen Bedingungen nicht vernünftig leben. Schließlich habe er zu tun. Wichtige Dinge.
Außerdem habe sie ihm gesagt, er könne seinen Tee selbst einschenken.
"Können Sie das?", fragte ich.
Stach strich über seinen Schnurrbart. Er hatte auf diese Frage seltsamerweise keine Lust.
Ich dachte, dass meine Doku einfach der Hammer wäre. Damit würde ich beim Chefredakteur Eindruck machen. Ich musste sie nur gut verkaufen.
Aus dem Notizbuch eines Journalisten #2
Tee mit Jo
Nach meinem Gespräch mit Bianka dachte ich, ich müsse ein wenig mehr über ihr Umfeld wissen. Über das Milieu. Und über das Frauensüppchen, das die ganze Sache zum Kochen bringt.
Heute treffe ich Jo. Biankas beste Freundin, obwohl Freundin zu klein klingt. Es ist eher so ein Schwestern-Ding. Nur ohne gemeinsame Eltern und mit deutlich mehr Tee.
Lehrerin. Ayurveda-Anhängerin. Yoga-Guru. Laut meinen Quellen eine unerschütterliche Optimistin. Und vermutlich die einzige Frau auf der Erde, die einer Katastrophe erst einen Tee anbietet und anschließend prüft, welche Botschaft das Universum darin versteckt hat, bevor sie nach einem Bunker sucht.
Das Treffen findet im Krankenhaus statt. Viel Zeit habe ich nicht. Zumindest habe ich die Krankenschwester so verstanden. Das Kamerateam muss draußen bleiben. Erlaubt sind nur mein Aufnahmegerät und eine Schachtel ihres Lieblingstees. Die mit den Affirmationen.
Das Zimmer ist hell und übersät mit Zeichnungen von Kindern. Irgendwie witzig. Aufmunternd. Auf der Fensterbank stehen sechs Topfpflanzen in unterschiedlichen Stadien des Überlebens. Auf dem Nachttisch liegen Bücher, Tarotkarten, Cremes, eine Thermoskanne und etwas, das verdächtig nach getrockneten Wurzeln aussieht. Hoffentlich nichts Illegales. Obwohl, wundern würde es mich nicht.
Jo sitzt halb aufgerichtet im Bett und mustert zuerst mich, dann die Teeschachtel. Sie hat etwas Faszinierendes im Gesicht: die schräg stehenden, fast katzenhaften Augen, das beinahe quadratische Gesicht. Die langen dunklen Locken, zwischen denen sich die ersten grauen Haare zeigen, stehen ihr ziemlich gut. Und diese unzähligen Sommersprossen. Hm.
Tee, Affirmationen und ein Journalist
Jo: Hallo, Erde! Ist der für mich?
Sławek: Ach ja. Sorry. Klar. Deine Lieblingsmarke. Angeblich kennst du diese Sorte noch nicht.
Jo: Endlich ein Journalist, der sich vorbereitet hat. Und tatsächlich, diese Mischung kenne ich noch nicht.
Sie schnuppert an der Packung.
Jo: Oh ja, ich spüre die Verbindung. Wir werden schöne Stunden miteinander verbringen. Ich meine, der Tee und ich.
Sie öffnet die Packung und zieht einen Teebeutel heraus.
Jo: "Alles ist möglich."
Sie hält mir das kleine Schild entgegen.
Jo: Siehst du? Das Interview wird gut.
Sławek: Das beruhigt mich ungemein. Darf ich aufnehmen?
Jo: Natürlich. Aber mach es, du weißt schon, spannend. Es gibt nichts Langweiligeres als langweilige Interviews.
Sławek: Das dürfte nicht schwierig werden. Ich interviewe schließlich dich.
Wir lachen beide.
Naivität, Optimismus und kosmische Zeichen
Sławek: Du sagst: "Lieber naiv und glücklich als ewig vorsichtig." Ist Naivität noch harmlos, wenn andere die Folgen mittragen?
Jo: Von wem hast du das?
Sławek: Man verrät seine Quellen nicht. Das weißt du. Also: harmlos oder nicht?
Jo: Also, wenn ich etwas verursache, trage ich auch die Folgen. Logisch. Das Universum stellt dir keine Aufgabe, ohne dir gleichzeitig das Werkzeug dafür zu geben. Und Fehler ... Ich nenne sie lieber Möglichkeiten, bei denen die Seele etwas dazulernt. Sonst war der ganze Ärger ja umsonst.
Sławek: Das nenne ich Optimismus. Ist dein Optimismus eine Haltung oder vielleicht doch Angstvermeidung?
Jo wackelt mit dem Zeigefinger.
Jo: Du Schlingel. Du willst mich mit deinen Fragen aus der Reserve locken. Aber ehrlich, ich arbeite mit Grundschulkindern. Die sind frecher.
Sie seufzt und wird wieder ernst.
Jo: Optimismus ist nicht Wegsehen. Er ist ein Zeichen. Eine Frequenz, würde ich sagen.
Und wenn du die Angst ansiehst, fühlt sie sich zwar echt an, aber meistens viel größer als die Realität. So sehe ich das.
Sławek: Ja, aber du sprichst von Zeichen. Wie unterscheidest du ein Zeichen von dem, was du ohnehin hören willst?
Jo: Ich unterscheide nicht.
in Mundwinkel hebt sich.
Mein Universum, meine Regeln. Bis jetzt hat es funktioniert. Na ja ...
Sie zeigt an sich hinunter.
In gewissem Maße.
Wieder dieser wissende, leicht spöttische Blick.
Wenn Spiritualität auf Gewalt trifft
Sławek: Ja, aber eines verstehe ich immer noch nicht: Wenn Positives Positives anzieht, was sagst du einer Frau, die misshandelt wird? Hat sie das Falsche ausgesendet?
Jo: Nö. So etwas sage ich überhaupt nicht. Was bei mir funktioniert, muss nicht auf alle und alles zutreffen. Jede Seele hat einen anderen Zugang, und manchmal sind die kosmischen Leitungen offenbar verstopft.
Aber einer Frau, die Gewalt erlebt, zu erklären, ihre Frequenz sei falsch, wäre nicht spirituell. Das wäre grausam.
Ich würde sie in den Arm nehmen, ihr eine Decke und eine warme Dusche anbieten. Ruhe. Therapie. Sicherheit. Ein Körper braucht zuerst Schutz. Über Chakren können wir später reden.
Sławek: Wow. So viel Logik habe ich nach den kosmischen Leitungen gerade nicht erwartet.
Jo: Warum? Weil ich an das Universum glaube?
Sławek: Ehrlich gesagt: ein bisschen.
Jo: Das Universum hat mir auch ein Gehirn gegeben. Wäre unhöflich, es nicht zu benutzen.
Sie lächelt. Ich sehe in meine Notizen und verschaffe mir eine Sekunde.
Sławek: Erwischt.
Du bist Lehrerin. Was bringst du Mädchen zuerst bei: dem Universum zu vertrauen oder dem unguten Gefühl im Bauch?
Jo: Das ungute Gefühl im Bauch ist oft das Universum.
Oder ein verdorbenes Pausenbrot.
Beides sollte man ernst nehmen.
Sławek: Das ist deine pädagogische Methode?
Jo: Ja, kann man wohl sagen. Achtsamkeit, Menschenverstand und ausreichend Frühstück. Hat sich bewährt.
Wir lachen.
Bianka, Freundschaft und Kronenchakren
Sławek: Bianka und du rettet euch seit Jahren gegenseitig. Ist das Freundschaft oder ein System, in dem keine von euch lernen muss, allein zu stehen?
Jo: Och, Sławek, du stellst Fragen. Nach so vielen Jahren ist die Frage längst bedeutungslos. Wir haben so viel Scheiße erlebt und sind immer wieder auf die Beine gekommen, dass wir wissen, wir würden auch allein überleben.
Aber gemeinsam ist es viel lustiger. Außerdem resonieren unsere Kronenchakren hervorragend miteinander.
Sławek: Hm. Davon verstehe ich nichts.
Jo: Ich kann dir das wunderbar erklären. Also, das Kronenchakra sitzt ...
Sławek: Nein, warte. Ich kann hier nicht so lange bleiben. Ich lade dich auf einen Kaffee ein, wenn du hier raus bist, okay?
Jo: Nur Kaffee?
Sławek: Und eine vollständige Erklärung meiner blockierten Chakren. Aber jetzt die nächste Frage.
Das Dorf, das Frauenhaus und der Frieden
Sławek: Nach allem, was in diesem Dorf passiert ist, redest du immer noch von blockierten Energien. Wann wird aus Verständigung Verharmlosung?
Jo: Alles im Universum ist Dualität. Licht und Schatten, Bewegung und Stillstand, männliche und weibliche Energie ...
Sławek: Ziemlich kryptisch.
Es klopft an der Tür. Im Spalt erscheint der Kopf einer Krankenschwester.
Krankenschwester: Die Besuchszeit ist vorbei.
Jo sieht sie fragend an.
Jo: Ach, Daniela, komm schon. Guck mal, der nette Mensch hier ist ein waschechter Journalist und hat mir eine neue Teesorte geschenkt. Morgen können wir sie ausprobieren.
Sie lächelt die brummige Frau bittend an. Man sieht, wie Daniela unter diesem Blick langsam schmilzt.
Daniela: Na gut. Aber nur fünf Minuten. Du musst dich ausruhen, Joasia. Das weißt du.
Jo: Ja, ja, das weiß ich doch. Wir machen auch nicht mehr lange, oder?
Sie sieht mich fragend an.
Sławek: Nein. Ich habe nur noch drei Fragen.
Jo: Okay. Weiter.
Sławek: Das war übrigens keine Antwort.
Diesmal wackle ich mit dem Zeigefinger.
Was ist mit dem Frieden? Man kann so lange Frieden wollen, bis man damit die Aggressoren schützt. Ist das deine blinde Stelle?
Jo: Nein. Aber manche Menschen werden aggressiv, weil sie etwas nicht verstehen. Weil alles zu schnell geht oder weil sie ihre Existenz bedroht sehen. Wenn man wirklich miteinander spricht, verändern sich die Energien.
Ich bin fest davon überzeugt, dass Biankas letzte Party das Dorf verändert hat. Na gut, da wurde nicht besonders viel diskutiert. Da wurde Wodka getrunken, bis der Morgen graute. Aber das ist doch auch eine Form von Dialog, oder?
Sławek: Eine sehr wirksame noch dazu. Jesus Christus, ich hatte den Kater meines Lebens.
Jo: Jetzt bin ich neidisch.
Sławek: Auf den Kater?
Jo: Nee. Darauf, dass ich nicht dabei war.
Sławek: Na ja, theoretisch warst du doch dabei.
Jo: Virtuell zählt nicht. Man muss Menschen spüren.
Sławek: Ja, das stimmt.
Eine kurze Pause.
Was bedroht das Frauenhaus mehr: Biankas Glaube, alles allein zu schaffen, oder das Dorf?
Jo: Beides. Biankas Wurzelchakra ist ein Katastrophengebiet. Aber daran arbeiten wir.
Beim Dorf bin ich mir nicht sicher. Der Kampf ist noch nicht zu Ende. Wir haben nur eine Schlacht gewonnen. Da kommt noch etwas. Ich spüre es.
Seit gestern ist meine Resonanz mit dem Magnetfeld gestört. Und das bedeutet nie etwas Gutes. Glaub mir.
Sławek: Das Magnetfeld. Natürlich.
Jo: Spott verändert die Frequenz nicht.
Wenn das Universum schweigt
Sławek: Ups. Sorry. Letzte Frage: Wer bist du, wenn das Universum einmal schweigt?
Jo: Das Universum schweigt nie.

Aus dem Notizbuch eines Journalisten
Kaffee mit Bianka
Anik KinaAug. 06, 2026
Als ich den Auftrag bekam, einen Dokumentarfilm über das Frauenhaus in dem verfluchten Dorf zu drehen, dachte ich, die größte Herausforderung würde das Dorf sein.
Der Chefredakteur ist begeistert, das Kamerateam steht. Wenn das gut läuft, kann ich die Mimimi-Zeitung bald hinter mir lassen.
Fernsehen, ich komme.
Ich lag falsch.
Die größte Herausforderung heißt Bianka.
Schriftstellerin. Unruhestifterin. Initiatorin des Frauenhauses. Und vermutlich der einzige Mensch, der auf eine einfache Frage so antwortet, dass daraus drei neue entstehen.
Für meine Dokumentation werde ich in den nächsten Wochen viele Menschen treffen. Befürworter. Freunde. Gegner. Den Pfarrer. Den Dorfvorsteher und seine Frau.
Gott stehe mir bei.
Und natürlich die Frauen, die hier Schutz gefunden haben.
Heute treffe ich Bianka wieder. Wir haben uns in ihrem Lieblingscafé verabredet. Eigentlich wollte ich einen anderen Ort, aber mit dieser Frau zu diskutieren, ist zwecklos.
Ich habe zwanzig Fragen vorbereitet.
Mal sehen, wie viele ich tatsächlich stellen kann.
Das Café ist erstaunlich voll für einen Dienstagvormittag. Zwei ältere Männer diskutieren am Fenster über Politik.
Früher war natürlich alles besser.
Wie immer.
Bianka kommt zu spät.
Auch wie immer.
Kaffee mit Bianka. Ein Journalist, zwanzig Fragen und eine Frau, die vermutlich keine davon so beantworten wird, wie er es erwartet.
Sławek:
Bevor wir anfangen, habe ich eine Bitte.
Bianka:
Na dann, schieß los.
Sławek:
Keine Politikerantworten.
Bianka:
Du kennst mich.
Sławek:
Eben deshalb sage ich es.
Bianka:
Abgemacht.
Sławek:
Gut. Die Aufnahme läuft.
(Ich nehme einen Schluck Kaffee.)
Sławek:
Die erste Frage ist wahrscheinlich die unbequemste.
(Sie grinst, setzt sich gerade hin und schüttelt kurz die Schultern.)
Bianka:
Schieß los. Ich bin bereit.
Sławek:
Ganz ehrlich: Warum tust du dir das eigentlich an?
Du hättest irgendwo in Ruhe Bücher schreiben können. Stattdessen gründest du ausgerechnet in diesem Dorf ein Frauenhaus. Warum?
Bianka:
Masochismus.
(Sie lacht.)
Nee. Angefangen hat alles mit Oksana. Mit ihrer persönlichen Geschichte. Die hat mich nachdenklich gemacht.
Natürlich hätte ich einfach weiter das Dasein einer Schriftstellerin fristen können. Aber findest du, dass das heutzutage reicht?
Frauen brauchen Unterstützung. Auf jede erdenkliche Art.
Das ist eben meine.
Sławek:
Ich habe in den letzten Tagen mit einigen Dorfbewohnern gesprochen.
Die einen nennen dich mutig.
Die anderen sagen, seit du hier bist, gibt es nur noch Ärger.
Welche Version stimmt?
Bianka:
Beide, vermute ich.
Kompliziert eben.
(Sie mustert mich kurz.)
Schau mich an. Einfache Wege waren noch nie meine Wege.
(Sie lacht. Diesmal etwas nervöser.)
Sławek:
Bist du nervös?
Bianka:
Nö.
(Sie zögert.)
Doch. Ein bisschen.
Ich sitze schließlich nicht jeden Tag im Kreuzverhör eines Journalisten.
(Diesmal muss ich lachen.)
Sławek:
Du redest oft von Freiheit.
Aber ganz ehrlich: Wie frei bist du eigentlich selbst?
Bianka:
Spielt es wirklich eine Rolle, wie frei man gerade ist?
Ist es nicht wichtiger, dass man nach Freiheit sucht?
Und nie damit aufhört?
Sławek:
Aha. Die berühmte Antwort mit einer Gegenfrage.
Gefällt mir.
Ich nehme sie.
Nächste Frage.
Sławek:
Es gab Tierkadaver. Drohungen. Hass.
Gab es einen Moment, in dem du dachtest: Scheiß drauf. Ich verkaufe das Haus und verschwinde?
Bianka:
Na klar.
Und vorher zünde ich noch ein paar Häuser an.
Wenn schon Abgang, dann mit Stil.
(Sie grinst.)
Aber nein.
Probleme verschwinden nicht, nur weil du in eine andere Umgebung ziehst.
Sie ziehen sich höchstens andere Kleider an.
Theoretisch hätte ich gehen können.
Praktisch hätte das überhaupt keinen Sinn ergeben.
Sławek:
Eine etwas fiese Frage.
Bist du dir manchmal selbst zu anstrengend?
Bianka:
Manchmal?
Das wäre schön.
Wenn du die Menschen fragst, die mich kennen, würden sie wahrscheinlich sagen, dass das Anstrengendsein bei mir direkt nach dem Atmen zu den angeborenen Instinkten gehört.
Sławek:
Wenn ich heute durchs Dorf laufe, habe ich das Gefühl, dass hier jeder über jeden alles weiß.
Und trotzdem scheint niemand wirklich miteinander zu reden.
Täuscht der Eindruck?
Bianka:
Nö.
Das ist tatsächlich das Lächerlichste hier.
Niemand sagt dir etwas direkt.
Alle reden.
Nur nicht miteinander.
Ehrlichkeit ist ansteckend.
Deshalb haben viele Angst davor.
Sławek:
Und warum gründest du das Frauenhaus ausgerechnet hier?
Bianka:
Kennst du die Geschichte dieses Dorfes?
Sławek:
Nicht wirklich. Nur das, was ich bei der Dorfversammlung mitbekommen habe. Aber das war eher oberflächlich. Und niemand wollte das Thema mit mir vertiefen.
(Wir lachen. Dieses Mal beide. Wir wissen auch beide, warum.)
Bianka:
Genau das ist der Charme: Geheimnisse, die jeder kennt, versteckt unter einem "Das gehört sich so". Dazu brave Katholiken, die sich empören und anschließend gemeinsam schweigen.
Als ich die Idee für das Frauenhaus hatte, wusste ich noch nichts über das Innenleben dieses Dorfes. Ich habe nur gemerkt, dass hier etwas fehlt.
Also habe ich angefangen, die Lücke zu füllen.
Sławek:
Willst du uns nicht verraten, welche Geheimnisse du meinst?
(Bianka lacht laut.)
Bianka:
Nö. Um das herauszufinden, musst du schon mein Buch lesen. Fang mit Schätzchen, sag einfach Nein! an. So würde ich es empfehlen.
Sławek:
Machst du jetzt ernsthaft Eigenwerbung mitten in meinem Dokumentarfilm-Interview?
Bianka:
Ein bisschen PR hat noch niemandem geschadet.
(Wieder dieses Grinsen.)
Und jetzt trink deinen Kaffee.
Sławek:
Ich hatte mir schon gedacht, dass es mit dir nicht einfach wird.
(Ich seufze und denke mir meinen Teil.)
Sławek:
Okay. Letzte Frage für heute.
Wenn jemand deine Geschichte liest und danach nur einen Gedanken mitnimmt, welcher soll das sein?
Bianka:
Belüg dich nicht selbst.
Das übernehmen die anderen schon für dich.
(Ich schalte das Aufnahmegerät aus.)
Von meinen zwanzig Fragen habe ich sechs gestellt.
Beantwortet hat Bianka vermutlich keine einzige so, wie ich es erwartet hatte.
Ich hätte es besser wissen müssen.
Zitate und Textauszüge von Anik Kina
Manche Geschichten beginnen mit einem Satz. Manche bleiben wegen eines Satzes im Kopf. Hier findest du eine Auswahl meiner Lieblingsstellen – ohne Spoiler, aber hoffentlich mit genug Neugier auf mehr.
Über das Leben
"Der Moment, in dem dir bewusst wird, dass die Grenzen deines Talents dir die Hand zur Begrüßung reichen, ist wirklich traurig."
"Man kann das Egoismus nennen. Man kann es Freiheit nennen. Von außen fühlt es sich oft gleich an."
"Ich bin frei. Und doch nicht mehr."
"Diese Unerreichbarkeit, die wie Freiheit aussieht und sich anfühlt wie Entzug."
"Das Herz ist kein braver Diener."
Liebe
"Zwischen uns fast nichts. Und viel zu viel."
"Meine Vera, dachte ich. Und hörte schon im selben Moment, wie gefährlich dieser Satz war."
"Eine Falle, dachte ich. Und gleichzeitig: Du bist schon drin."
"Ich hatte vergessen, wie es ist, zu fühlen."
"Die Welt schmeckt."
Humor
"Vielleicht verkaufe ich eine Niere. Oder gleich zwei. Dann reicht's auch noch für den Druck. Wozu brauche ich Nieren?"
"Hier leben Gerüchte länger als die Bibel und haben mehr Nachwuchs als Klara auf dem Kopf."
"Wenn Höflichkeit ein Vitamin wäre, hätte meine Freundin längst Skorbut."
"Sie wird dich fressen, sang es in mir. Aber bitte doch. Wo ist das Besteck? Noch Salz dazu?"
"Carmen. Mit Aquarium. Und Kaktus. Und der Aussicht auf Adoption. Die Welt wankt."
"Offensichtlich, Bianka, führt heute jeder Faden deines Schreibens direkt ins triste Moor der Banalitäten und abgenutzten Metaphern. Ich sollte den Laptop zumachen und mir ein neues Hobby suchen. Stricken vielleicht."
Menschen
"Also ja, ich bin schön. Nicht ich war, nicht ich werde, ich bin schön."
"Es tut weh, wenn man plötzlich nur noch ein Arrangement ist."
"Ich bin eine Gefangene."
"Heute zählt nur diese Ohrfeige, sie trifft allerdings nicht das Gesicht, sondern den Stolz."
"Du bist noch das Kind von damals."
Schreiben
"Berufung. Dieses Wort, das ich immer für hochgestochen hielt, hat sich zu einem meiner Lieblingsbegriffe gemausert."
"Das Buch existierte bereits. Die einzige Frage war: Wann wird es veröffentlicht?"
"Denn wer bin ich, wenn ich keine Schriftstellerin bin?"

