Utopia II - Wenn die Wüste Zukunft wirdDune, Schafe und die Frage, was wir mit fast grenzenloser Energie anfangen würdenAnik Kina 

18.09.2026
Taucherin unter Wasser über einer dünenartigen Landschaft.
Utopia beginnt dort, wo wir aufhören, die Welt für unveränderlich zu halten.

Dune, Schafe und die Frage, was wir mit fast grenzenloser Energie anfangen würden

Im ersten Teil, "UTOPIA I – Wir brauchen ein Dach über dem Kopf", habe ich angefangen, meine Stadt zu bauen.

Zumindest auf dem Papier. Dort ist das erfreulich günstig. Und sehr schnell entsteht das Gefühl, alles sei möglich.

Aber auch in meinem Kopf haben die Physik und ein Hauch von Realität ihre Rechte. Nein, auch in Utopia können wir nicht plötzlich fliegen.

Bedauere.

In meinen Gedanken ist mein Volk gerecht, frei von Konventionen, Rollenzuweisungen und Diskriminierung jeder Art. Aber selbst die gerechteste Gesellschaft schützt ihre Bewohner nicht vor einem Hitzschlag.

Meine Stadt steht mitten in der Wüste. Bei fünfzig Grad. Ohne Schatten. Ein beinahe grenzenloser Horizont. Gelb und Blau treffen sich in der Mitte. Eine harte, unversöhnliche Linie, die keine Hilfe verspricht.

Wir stehen alle da und schwitzen. Unsere Wasservorräte verdunsten in der Mittagssonne. In der Nacht werden wir frieren. Nach einem weiteren Tag wird sich unsere Haut in großen, platzenden Wunden vom Muskel verabschieden. Am dritten Tag sind wir tot.

Das ging schnell mit der Utopie.

Im ersten Teil haben wir immerhin ein Dach gebaut. Eines, das nicht nur verhindert, dass einem die Sonne das Gehirn weichkocht. Mithilfe besonderer Oberflächen kann es Wärme als Strahlung durch die Atmosphäre in Richtung Weltraum abgeben. Der Weltraum übernimmt gewissermaßen die kalte Seite.

Kostenlos.

Die Physik stellt trotzdem Rechnungen, aber immerhin keine monatlichen.

Nun brauchen wir Wasser.

Und tatata: Wie aus dem Nichts sind wir auf Arrakis.

Ein Planet, der vom Mangel regiert wird

Als ich zum ersten Mal Dune gelesen habe, war ich ungefähr fünfzehn. Es war Winter. Temperaturen von bis zu minus 32 Grad waren damals in Polen keine Seltenheit.

Man musste mit Kohle heizen, und auch die war ein knappes Gut. Ich konnte überhaupt nicht verstehen, warum eine Wüste ein Problem sein sollte. Mir war bitterkalt, und ich wartete auf jeden Funken Sonne hinter den dicken, schneebeladenen Wolken.

Ich wollte mich sofort in dieses tiefe Gelb teleportieren.

Ach, wie schön, wenn man noch so naiv sein konnte.

Frank Herbert schrieb den Roman bereits 1965. Über eine Welt, in der Wasser die kostbarste Ressource überhaupt ist. Ich sah damals die Schneeberge vor dem Fenster und dachte: Wasser, Wasser, das ist doch überall. Gott sei Dank ist das nur Science-Fiction.

Jetzt bin ich fünfzig, und Klimawandel, Wasserknappheit und Ressourcenmangel sind allgegenwärtige Themen.

Keine Science-Fiction mehr.

Auf Arrakis ist die Wüste keine Kulisse. Sie bestimmt das gesamte Leben. Der Mangel steckt in der Kleidung, in den Häusern und in den Ritualen. Er reicht bis zum Umgang mit den Toten.

Kein Tropfen darf verloren gehen.

Die Fremen haben ihre Körper und ihr Zusammenleben an diese Härte angepasst. Der Tag wird zur Nacht und die Nacht zum Tag. Alles ist nach Wasserverbrauch berechnet.

Und trotzdem tragen sie einen fast größenwahnsinnigen Traum durch die Jahrhunderte:

Arrakis soll eines Tages grün werden.

Sie sammeln heimlich Wasser. Sie beobachten die Wüste und arbeiten an einer Zukunft, die viele von ihnen niemals sehen werden. Der Planetologe Liet-Kynes macht aus diesem Traum einen ökologischen Plan.

Nicht für morgen.

Für Jahrhunderte.

Das berührte mich.

Wie ich bereits im ersten Teil erwähnt habe, faszinierte mich schon immer, dass Menschen eine Welt sehen können, wie sie ist, und sich gleichzeitig vorstellen können, dass sie anders werden könnte.

Eine Utopie beginnt nicht mit einer fertigen Lösung. Sie beginnt mit der Frechheit, das Gegebene nicht für das einzig Mögliche zu halten.

Diese Vorstellungskraft ist wahrscheinlich eine Grundlage unserer Intelligenz. Möglicherweise ist sie auch der Anfang unseres Untergangs und unserer Entfremdung von der Natur.

Wir leben nicht nur in dem, was gerade ist. Wir leben ständig auch in dem, was noch möglich sein könnte. Und unser Appetit ist größer als dieser Planet verkraften kann.

Unsere Neugier schenkt uns Erfindungen.

Und leider eine gewisse Unfähigkeit, einfach einmal zufrieden herumzusitzen.

Und dann stehen da plötzlich Solarmodule

In der chinesischen Kubuqi-Wüste geschieht gerade etwas, das zumindest entfernt an den Traum der Fremen erinnert.

Dort entsteht eine sogenannte solare Große Mauer.

Was haben die Chinesen bloß mit Mauern?

Aber dieser Größenwahnsinn passt gut zum chinesischen Traum: Wenn schon bauen, dann bitte so, dass man es aus dem All sehen kann. Falls sich Aliens in unserer Gegend verirren, ist das der beste Wegweiser, wo wir zu finden sind.

Bis 2030 soll die Anlage rund 400 Kilometer lang und fünf Kilometer breit werden. Geplant sind bis zu 100 Gigawatt Leistung.

Das ist eine Zahl, bei der mein Gehirn höflich aussteigt.

Deshalb Pi mal Daumen: Die fertige Anlage soll laut NASA genug Energie liefern, um Peking zu versorgen. Also Millionen Haushalte. Wir reden nicht über drei Dörfer und eine beleuchtete Bushaltestelle.

Auf Satellitenbildern ist bereits deutlich zu erkennen, wie sehr sich die Landschaft verändert hat. Die Zahlen und Aufnahmen stammen vom NASA Earth Observatory.

Building a Great Solar Wall in China.

Mich interessiert dabei nicht nur die gewaltige Menge Strom.

Die erhöhten Solarmodule spenden Schatten. Der Boden heizt sich weniger auf, Feuchtigkeit verdunstet langsamer und der Wind wird gebremst. Unter und zwischen den Modulen können sich Gräser und andere Pflanzen besser halten.

Wo Gras wächst, können Schafe weiden.

Schafe sind dafür ausgesprochen praktisch. Sie halten das Gras kurz und produzieren dabei Wolle, die sich als Dämmstoff verwenden lässt. Minderwertige Wolle kann außerdem als Mulch auf den Boden gelegt werden. Dort bremst sie die Verdunstung, hält Unkraut zurück und gibt beim langsamen Verrotten Nährstoffe ab.

Falls hier jemand gärtnert und sich über trockene Gemüsebeete beschwert: Ich kann das empfehlen.

Seit Jahren angewendet und persönlich überprüft.

In unserer Wüstenstadt könnte das Schaf also das Gras unter den Solarmodulen mähen, Dämmstoff für die Häuser liefern und dabei helfen, die Feuchtigkeit im Boden zu halten.

Ein ziemlich tüchtiges Tier.

Natürlich ist das keine vollendete ökologische Liebesgeschichte. Solche Anlagen brauchen Rohstoffe, Leitungen und Wartung. Sie greifen in eine Landschaft ein und sind zutiefst umstritten. Denn auch eine Wüste ist nicht leer, nur weil dort keine deutsche Eiche herumsteht. Sie besitzt ihr eigenes Ökosystem, und welche Auswirkungen solche Eingriffe auf das Klima, die Natur und die gesamte Umgebung haben, wissen wir noch nicht ausreichend.

Aber China hat angefangen, die Bedingungen der Wüste zu nutzen …

Nicht gegen die Sonne.

Mit ihr.

Nicht nur Strom auf der einen Seite und Landschaft auf der anderen, fein säuberlich voneinander getrennt. Plötzlich kann dieselbe Fläche Energie liefern, den Boden beschatten, Pflanzen schützen und Tiere ernähren.

Das ist keine fertige Utopie.

Aber es ist eine interessante Wendung ...

Wie bei den Fremen.

Kein Wald, aber ein Anfang

Ende November 2024 meldete China außerdem, dass der rund 3.046 Kilometer lange Schutzgürtel um die Taklamakan-Wüste geschlossen wurde.

Das ist keine dichte Wand aus Wald. Es handelt sich um ein System aus trockenheitsverträglichen Sträuchern, Gräsern, kleinen Bäumen und befestigten Sandflächen. Es soll Oasen, Felder und Verkehrswege vor wandernden Dünen schützen.

Da wir keine Wüstenwürmer haben, die nach Lust und Laune durch die Sandberge wandern und jede Mauer aus Grün in Grund und Asche verwandeln, wäre das in unserer Stadt vermutlich etwas leichter.

Der Abschluss des Gürtels ist unter anderem durch die chinesische Staatsaufsicht SASAC dokumentiert.

Auch dieses Projekt ist nicht unumstritten. Manche Pflanzen überleben nicht. Niemand weiß, wie wirksam solche Eingriffe über viele Jahrzehnte sein werden. Ein grünes Band auf einer Landkarte beweist noch lange nicht, dass ein Ökosystem dauerhaft funktioniert.

Aber falls es funktioniert, wäre das ein großer Erfolg im Kampf gegen die Erosion. Nach Angaben der UNCCD gehen weltweit jedes Jahr rund 24 Milliarden Tonnen fruchtbaren Bodens verloren.

Die Sonne geht unter. Unverschämt, aber wahr

Nun haben wir also sehr viel Energie.

Zumindest tagsüber.

Die Sonne besteht auf Feierabend. Eine Stadt kann das leider nicht. Menschen möchten Licht, Wasser und Kühlung. Manche verlangen nach Sonnenuntergang sogar noch ein warmes Essen, wollen ausgehen, womöglich tanzen und leben!

Anspruchsvolles Volk. Eine polizeiliche Ausgangssperre gibt es in meinem Paradies trotzdem nicht.

Das Volk soll Spaß haben.

Wir müssen also einen Teil der Energie speichern. Dafür gibt es Batterien, Wärmespeicher und Wasserstoff. Nichts davon ist vollkommen. Überall geht etwas verloren, manches ist teuer, und einiges klingt in politischen Reden deutlich einfacher, als es in der Wirklichkeit ist.

Ich wollte hier ziemlich lange darüber debattieren, was wir wie umsetzen könnten und was bereits erreicht wurde. Dann dachte ich: Für meine Stadt ist das gerade nicht entscheidend. Wer es genauer wissen möchte, kann im ausführlichen Quellenverzeichnis einige Forschungen auf diesem Gebiet nachlesen.

Wir nehmen hier die Abkürzung.

Grundsätzlich ist das Problem lösbar.

Wir müssen an dieser Stelle keine Wärmepumpe auseinandernehmen.

Das ist eine Erleichterung für uns alle.

Wichtiger ist: Eine Stadt mit sehr viel Sonnenenergie könnte auch nachts weiterleben.

Damit hätten wir Strom.

Noch kein Wasser.

Und ohne Wasser ist die schönste Utopie nur eine gut beleuchtete Todeszone, in der niemand leben möchte.

Wasser ist die eigentliche Macht

Seltsamerweise liegt unter vielen Wüsten tatsächlich Grundwasser.

Auch auf Arrakis war Wasser vorhanden. Es wurde in großen Becken gespeichert und wie etwas Heiliges behandelt. Die Fremen weinen nicht um ihre Toten, denn Tränen wären Verschwendung. Das Wasser der Verstorbenen wird dem Stamm zurückgegeben.

War dieses Wasser ebenso alt wie das fossile Wasser unter unseren Wüsten?

Als ich zum ersten Mal davon las, stellte ich mir unterirdische Seen vor, die sich in ewiger Dunkelheit ausbreiten. Ein paar Dinosaurierknochen sinken langsam auf den Grund, und ich plansche dort einfach herum. Ich hätte nichts dagegen.

Ein Teil dieses Grundwassers ist fossiles Wasser. Es stammt aus Zeiten, in denen dort ein anderes Klima herrschte. Es erneuert sich kaum oder gar nicht.

Also auch hier: heiliges Wasser, das man möglichst bewahren und niemals verschwenden sollte.

Man kann es fördern.

Ja, sicher.

Dauerhaft davon leben kann man nicht.

Unsere Stadt müsste Wasser deshalb anders behandeln, als wir es gewohnt sind. Nicht benutzen, wegspülen und anschließend so tun, als hätte es sich freiwillig aus unserem Leben verabschiedet.

Dass wir täglich duschen und dabei derart hygienisch unterwegs sind, ist in der Geschichte der Menschheit ein ziemlich neuer Zustand. Früher musste man sehr viel tun, um es sich gemütlich in warmem Wasser einzurichten. Schon deshalb behandelte man Wasser anders als heute.

Wasser müsste im Kreislauf bleiben.

Abwasser könnte gereinigt und erneut verwendet werden. Zum Bewässern, für Toiletten und mit entsprechender Aufbereitung sogar wieder als Trinkwasser. Auch die Wärme darin lässt sich zurückholen. Selbst aus Klärschlamm kann Biogas entstehen. Vancouver, Tårnby bei Kopenhagen, Hamburg und Stuttgart nutzen beispielsweise bereits Wärme aus ihren Abwassersystemen.

Wer hätte gedacht, dass sogar unsere Fäkalien einmal gesellschaftlich wertvoll werden?

Am Ende bekommt wirklich jeder seine Chance.

Auch aus Nebel oder Luft lässt sich stellenweise Wasser gewinnen. Feine Netze fangen winzige Tröpfchen auf. Andere Materialien nehmen Wasserdampf aus trockener Luft auf und geben ihn später wieder ab.

Das klingt wunderbar. Es ist aber kein Zaubertrick. Wo fast keine Feuchtigkeit vorhanden ist, kann auch die klügste Maschine keinen See herbeizaubern.

Die Wüste lässt sich nicht überlisten.

Man kann nur lernen, genauer mit ihr zu arbeiten. Respekt zu entwickeln und sich dem zu beugen, was uns zum Beugen zwingt.

Das Problem mit den Salzbergen

Liegt unsere Stadt in Meeresnähe, wird sie einen Teil ihrer Sonnenenergie zur Entsalzung verwenden müssen. Nicht weil wir es wollen oder weil es technisch möglich ist. Weil das Süßwasser knapper wird.

Damit wäre das Wasserproblem zumindest kleiner.

Dummerweise produziert jede Lösung gern ein neues Problem, damit uns nicht langweilig wird.

Bei der Entsalzung bleibt eine stark konzentrierte Salzlösung zurück: Sole. Die können wir nicht einfach ins Meer kippen und behaupten, dort liege ohnehin schon Salz herum. In hoher Konzentration kann sie die umliegenden Ökosysteme belasten.

Und damit kommen wir zu den Salzbergen.

Könnten wir aus dem ganzen Salz etwas Nützliches konstruieren und unsere Bewohner in den Skiurlaub schicken? Ein paar künstliche Gletscher müssten doch möglich sein. Die Farbe würde zumindest stimmen.

Beim Après-Ski wäre Tequila ausgesprochen praktisch: Zitrone beißen, kurz zum Boden hinunter, Salz lecken, wieder hoch, trinken.

Nach drei Runden hat man entweder genug oder einen erstaunlich beweglichen Rücken.

Und das alles all-inclusive.

Aber Spaß beiseite: Könnte man diesen Rückstand tatsächlich nutzen?

Zum Beispiel als Wärmespeicher?

Leider stammt auch diese Idee nicht von mir.

Natürlich ist bereits jemand darauf gekommen. Jedes Mal denke ich: Heureka. Dann forsche ich nach und stelle fest, dass vor mir schon ungefähr zehntausend Menschen Heureka gerufen haben.

Irgendwie ungerecht.

Eine 2026 veröffentlichte Laborstudie untersuchte, ob aufbereitetes Salz aus Entsalzungsrückständen Wärme aufnehmen und später wieder abgeben kann. Das Ergebnis: Grundsätzlich funktioniert es.

Noch ist das kein fertiger Speicher für unsere Wüstenstadt. Das Salz muss erst getrennt, getrocknet und aufbereitet werden. Man kann die Sole nicht in den nächsten Behälter kippen und Feierabend machen.

Aber die Idee ist technisch nicht völlig verrückt.

Das gesamte Salzproblem verschwindet dadurch natürlich nicht. Eine Entsalzungsanlage produziert weiter Sole, auch wenn der schönste Wärmespeicher irgendwann voll ist.

Und wie viele Skiorte sollen wir bauen? Tausende, so weit das Auge reicht?

Leider nein.

Einige Mineralien könnten in der Industrie oder als Baustoff verwendet werden. Aber nur, wenn man sie sauber trennen kann und tatsächlich jemand braucht, was dabei herauskommt.

Trotzdem ist das ein ausgesprochen großes Problem, mit dem sich die Menschheit früher oder später auseinandersetzen muss. Denn die Menge des verfügbaren erneuerbaren Wassers pro Kopf sinkt. Heute stehen uns weltweit rund sieben Prozent weniger davon zur Verfügung als noch vor zehn Jahren.

Ein Kreislauf funktioniert nicht allein dadurch, dass wir auf einen Abfallberg das Wort "Rohstoff" schreiben.

Wie bei den Fremen müsste alles zurück in den Kreislauf. Vielleicht sogar unsere Toten. Auch tote Körper bestehen aus Materie und enthalten Nährstoffe, die wieder Teil des Bodens werden könnten. Wenn wir Einstein sehr grob zusammenfassen, sind wir schließlich alle mehr oder weniger Möhren auf zwei Beinen.

Makaber?

Nein. Bald Realität.

Wir müssen alles verwenden können: Energie, Ressourcen jeder Art und Wasser.

Vor allem Wasser.

Noch keine Utopie

Damit steht unsere Stadt noch lange nicht.

Wir haben lediglich dafür gesorgt, dass nachts nicht das Licht ausgeht und die Bewohner nicht am dritten Tag verdursten.

Für eine Utopie ist das erstaunlich unspektakulär.

Für das Überleben allerdings recht hilfreich.

Trotzdem beginnt hier etwas.

In einer chinesischen Wüste stehen bereits riesige Solaranlagen. Unter den Modulen wächst Gras. Schafe laufen dort herum und interessieren sich nicht im Geringsten dafür, dass das Ganze einmal unmöglich klang.

Die Technik allein macht keine bessere Welt.

Sie beantwortet nicht, wem die Energie gehört. Wer über das Wasser entscheidet. Wer Zugang bekommt und wer am Ende bezahlt.

Das sind Machtfragen.

Und Machtfragen haben die unangenehme Angewohnheit, einen Artikel vollständig aufzufressen, sobald man ihnen die Tür öffnet. Heute nicht.

Mich interessiert nicht, ob wir eines Tages jede technische Schwierigkeit beseitigen können. Wahrscheinlich tauchen für jedes gelöste Problem zwei neue auf. Der Mensch ist darin ausgesprochen zuverlässig.

Mich interessiert etwas anderes.

Was verändert sich, wenn Mangel nicht mehr jede Entscheidung bestimmt?

Wenn Energie und Wasser nicht mehr den größten Teil unserer Kraft verschlingen?

Wenn technischer Fortschritt nicht dafür genutzt wird, noch mehr zu produzieren, und uns stattdessen tatsächlich Arbeit abnimmt?

Dann bleibt etwas übrig, das womöglich schwieriger zu verwalten ist als Wasser, Salz und Strom:

Zeit.

Und damit eine viel unbequemere Frage:

Was machen wir mit ihr?

Quellen

Deutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR): Wärmespeicher – Für eine gesicherte Energieversorgung.
https://www.dlr.de/de/tt/forschung-transfer/themen/waermespeicher

Deutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR): Energiespeicher: Wärme und Strom.
https://www.dlr.de/de/forschung-und-transfer/energie/forschungsgebiete-energie/energiespeicher-waerme-und-strom

HAMBURG WASSER: HAMBURG WATER Cycle – Abwasser neu denken.
https://www.hamburgwasser.de/umwelt/vorsorge/hamburg-water-cycle

HAMBURG WASSER: Kann weg? Nee! Hamburg erprobt Wasserrecycling. 8. Juni 2023.
https://www.hamburgwasser.de/magazin/wasserrecycling

People's Daily Online: Chinas größte Wüste vollständig von Grüngürtel umgeben. 29. November 2024.
https://german.people.com.cn/n3/2024/1129/c414966-20248211.html

Umweltbundesamt: Wasserwiederverwendung.
https://www.umweltbundesamt.de/themen/wasser/wasser-bewirtschaften/wasserwiederverwendung

Umweltbundesamt: Trockenheit in Deutschland – Fragen und Antworten.
https://www.umweltbundesamt.de/themen/wasser/extremereignisseklimawandel/trockenheit-in-deutschland-fragen-antworten

Umweltbundesamt: Entwicklung des zukünftigen Wasserbedarfs in verschiedenen Sektoren – Bestimmungsmethoden, Projektionen und Szenarien.
https://www.umweltbundesamt.de/publikationen/entwicklung-des-zukunftigen-wasserbedarfs-in

Fraunhofer-Institut für Bauphysik IBP: Nahwärme aus Abwasser zur Versorgung des Niedrigstenergiestadtquartiers Neckarpark.
https://www.ibp.fraunhofer.de/de/projekte-referenzen/nahwaerme-aus-abwasser.html

Bildnachweis

NASA Earth Observatory: Building a Great Solar Wall in China. Satellitenaufnahme der Kubuqi-Wüste, Landsat-Daten des U.S. Geological Survey, Aufnahme vom 8. Dezember 2024.

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