Geil, das mache ich

19.06.2026

Über Impulsivität, Mut, Umwege und die angeblichen Fehler, aus denen manchmal das beste Leben wächst. 

Natürlich denke ich über jede Entscheidung im Leben zweimal gründlich nach:

"Geil, das mache ich."

"Scheiße, war das bescheuert!"

Dieser Satz ist leider nicht von mir, aber er beschreibt ziemlich genau mein impulsives Starten ins Leben. In den Tag. In den Moment. Je nach Bedarf frei wählbar.

Ich bin selten langsam in meinen Anfängen. Ich nenne mich ziemlich oft den "Dopplereffekt". Ich sehe etwas, höre etwas, rieche eine Möglichkeit, und schon steht eine ganze Armada meines inneren Personals mit Konfetti am Rand und brüllt: "Hey Mädel, wieder selbst übertroffen! Genialer Plan! Mach! Sofort! Was soll schon passieren?"

Sehr viel, wie sich später meistens herausstellt.

Aber da ist der Körper schon unterwegs. Pumpt fröhlich Adrenalin, Dopamin, ein bisschen Cortisol – was auch immer diese schöne Mischung aus Aufregung und Bewunderung für mich selbst erzeugt. Das innere Team klatscht weiter unermüdlich, der Mund hat schon zugesagt, das Herz hat schon die Tür aufgerissen und ist nicht mehr zu stoppen.

Und die Vernunft?

Ja ... die ist auch irgendwo.

Aber lange nicht gesehen. Urlaub womöglich? Oder Arbeitsverweigerung? Beides?

Die angeblichen Fehler

Lange Zeit hielt ich das für einen Fehler. Eine Fehlkonstruktion seitens der göttlichen Unfehlbarkeit. Ein Montagsmodell vom Feinsten.

Bis ich eines Tages meinen Yogi-Tee trank und diesen Satz las:

"Bereue deine Fehler nicht. Bewundere den Mut, etwas Unbekanntes versucht zu haben."

Seitdem bin ich nicht nur Yogi-Tee-Fan, sondern auch von diesem Spruch begeistert. Er klebt inzwischen als Sticker auf meinem Laptop. Die Sticker-Ära wurde geboren. Anik, 51 Jahre alt.

Erwachsene Menschen planen. Vernünftige Menschen denken nach. Erfolgreiche Menschen wägen Risiken ab.

So zumindest die Theorie.

Ich dagegen habe einen bemerkenswerten Teil meines Lebens damit verbracht, in Situationen zu landen, die auf dem Papier keine besonders gute Idee waren ... oder sind. Wir werden hier jetzt nicht mit Vergangenheitsformen um uns werfen. So ein verwegener Optimismus steht mir nicht.

Ach, die angeblichen Fehler.

Manche endeten peinlich, teuer und mit Liebeskummer dazu. Aber manche mit Geschichten, die ich heute noch erzähle und über die ich mich kaputtlache, weil sie so verrückt waren, dass man sie sich nicht hätte ausdenken können.

Dank mancher meiner theoretischen Fehler sind tolle Dinge entstanden.

Und genau da wird es interessant.

Denn wenn ich ehrlich bin, stammen die wichtigsten Dinge meines Lebens selten aus einem perfekten Plan. Nicht die Liebe. Nicht das Schreiben. Nicht die Bücher. Nicht der Verlag. Nicht die Menschen, die geblieben sind.

Sie kamen meistens durch eine Tür, die ich eigentlich nur aus Neugier oder Trotz geöffnet hatte.

Wasser oder Beton

Natürlich hat Impulsivität ihren Preis. Sie kreiert Umwege, Irrtümer und gelegentliche Katastrophen.

Aber die Umwege – Himmel, die sind spannend.

Und sie produzieren Erfahrungen.

Wenn mir jemand nur für meine Erfahrungen bezahlen würde ... Elon, du kannst deine Koffer packen mit deinem ersten Billionchen. Stell dich hinten an. Und sei brav.

Während andere noch überlegen, ob sie in das Planschbecken springen sollen, und Angst haben, dass es vielleicht leer steht, hat man schon herausgefunden, dass unten Wasser ist.

Oder Beton.

Beides sind wertvolle Informationen.

Nichtsdestotrotz bewahren auch die mich nicht vorm Springen. Ewiger Optimismus ist mir grundsätzlich fremd. Aber er verkleidet sich als diese Zuversicht, die mir zuflüstert:

"Yep, da ist Beton.

Aber du bist ein Löwenzahn, Baby.

Das schaffst du."

Hm. Meistens schaffe ich es auch. Mit Schrammen, Kratzern, womöglich einer Gehirnerschütterung vierten Grades – aber was soll's? Ich stehe weiterhin im Marathon.

Impulsiv oder lebendig?

Impulsive Menschen werden oft missverstanden. Von außen sieht es aus wie Chaos.

Na gut, nicht nur von außen.

Doch meistens fühlt es sich von innen eher wie Neugier an. Nicht jede Bewegung ist Flucht oder Dummheit.

Manchmal ist sie einfach die Weigerung, das Leben ausschließlich aus sicherer Entfernung zu betrachten.

Denn was ist schon sicher?

Ich musste zweimal als Selbstständige pleitegehen, um beim dritten Mal zu begreifen, dass ich dafür einfach nicht das Zeug hatte. Aber dank dieser Fehler habe ich meine Familie gefunden. Ein tolles Land entdeckt – danke, Deutschland. Einen Verlag gegründet, der mich auf die spannendste Weise herausfordert.

Und wenn ich auf die wirklich wichtigen Entscheidungen meines Lebens schaue, dann muss ich zugeben:

Die meisten begannen mit:

"Geil, das mache ich."

Der zweite Satz kam meistens später.

Und das ist gut so.

Das bleibt.


Wenn dich dieser Text berührt hat: Auf meinem Substack schreibe ich weiter über Selbstreflexion, Frauenleben, Körper, Wut, Lust, Freude, Umwege und die seltsame Kunst, lebendig zu bleiben.


Häufige Fragen zum Thema Impulsivität

Was ist Impulsivität?
Impulsivität beschreibt die Tendenz, schnell zu handeln, bevor alle Informationen vorliegen. Sie wird oft als Schwäche betrachtet, kann aber auch mit Kreativität, Mut und Neugier verbunden sein.

Ist Impulsivität immer etwas Negatives?
Nein. Impulsivität kann zu Fehlern führen, aber auch zu Erfahrungen, Begegnungen und Chancen, die ohne spontanes Handeln nie entstanden wären.

Was ist der Unterschied zwischen Impulsivität und Mut?
Mut bedeutet oft bewusstes Handeln trotz Angst. Impulsivität entsteht häufig spontan. Im Alltag überschneiden sich beide jedoch häufig.

Warum bereuen Menschen spontane Entscheidungen?
Weil die Folgen erst später sichtbar werden. Gleichzeitig entstehen aus vielen spontanen Entscheidungen wichtige Lernerfahrungen und persönliche Entwicklung.

Kann Impulsivität mit ADHS zusammenhängen?

Kann Impulsivität mit ADHS zusammenhängen?
Ja. Impulsivität gehört zu den häufig beschriebenen Merkmalen von ADHS. Sie kann sich in spontanen Entscheidungen, Ideenreichtum und schnellem Handeln zeigen.

Worum geht es in dem Artikel "Geil, das mache ich"?
Der Text beschäftigt sich mit Impulsivität, Mut, Fehlern, Umwegen und der Frage, warum viele wichtige Entscheidungen im Leben nicht aus perfekten Plänen entstehen.


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